TOUR-TAGEBUCH

zur Frühjahrstour 2003

- Teil 7 -

Tagebuch III -  Von Dessau nach Köln

 

Exkurs: „Konzertbesuch“ in Halberstadt am 13.4.2003

Wenn man wie wir augenblicklich so häufig live spielt, kann es zwischendurch mal ganz erfrischend sein, sich die Performance anderer Künstler anzusehen. Also machten wir in Halberstadt Station, um uns die Umsetzung des Orgel-Projektes „Organ²/ ASLAP“ von John Cage zu Gemüte zu führen. In aller Kürze: Es gilt, das Stück, dessen Partitur übrigens nur auf vier Seiten notiert ist,  „as slow as possible“ zu spielen. In der Halberstädter Interpretation soll das Stück 639 Jahre dauern: Man hört augenblicklich von einer Mini-Orgel mit nur drei Orgelpfeifen ununterbrochen die Töne (eingestrichenes) „gis“, „h“ und das (zweigestrichene) „gis“, und nächstes Jahr kommt das „e“ dazu... (ausführlichere Infos gibt es unter  http://www.john-cage.halberstadt.de). Schwer beeindruckt und voller neuer musikalischer Inspiration machten wir uns auf den Weg nach Bremen...

 

13.4. Bremen / Schlachthof

Noch mit Cage im Ohr liefen wir in Bremen ein. Ort des Geschehens sollte der Magazinkeller sein, ein gemütlicher Rock-Keller unter der Kesselhalle des Schlachthofes. Obwohl Sonntag war und zudem in unmittelbarer Nähe auch noch Volksfest, füllten sich die Katakomben des Schlachthofes zusehends. Vielleicht war es wiederum die Cage`sche Inspiration oder der sehr wuchtige, hardcorige Sound, die uns an diesem Abend einen wirklich energiegeladenen Gig spielen ließen. Eine sehr reife Leistung lieferte jedenfalls auch unser Publikum ab, das durch maßloses Tanzen und Feiern überzeugte. Am Ende des Abends waren wir dann wohl alle ziemlich verschwitzt und fertig, aber glücklich! Danke Bremen, Ihr wart super! Am nächsten Morgen gab`s dann bei Satze noch ein üppig Frühstück, Marke „Viel & Lecker“. Ihr glaubt gar nicht, wieviel Frühstück auf einem kleinen Küchentisch unterzubringen ist. Dank an dieser Stelle auch noch an Tina (Oranje Boven), die uns trotz eines Bänderrisses zu Fuß durch das nächtliche Bremen lotste.  

 

14.4. Kassel / Baracuda

An und für sich ist das Baracuda eine sehr hübsche Eckkneipe mit einer kleinen Bühne, doch irgendwie schien Frank, der Veranstalter, nicht wirklich guter Dinge. Sei es, weil sein Auto am selben Tag verreckt war, oder weil er keine Plakate bekommen hatte und somit sehr wenig Werbung für unseren Auftritt gelaufen war. Trocken schlucken mussten wir, als wir erfuhren, dass der Laden normalerweise Montags seinen Ruhetag hat – uups, ob das gut gehen würde? Nun gut, wir stapelten uns auf der Bühne und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Gegen 22.30 Uhr enterten wir die Bretter, welche angeblich die Welt bedeuten sollen...na ja, an diesem Tag war damit wohl nicht die uns bekannte Welt gemeint, oder so. Denn leider wirkten sich die oben genannten Faktoren äußerst negativ auf die Besucherzahlen aus. Anders ausgedrückt: Der ein oder andere Zuschauer mehr hätte uns und dem Abend bestimmt sehr gut getan... Für einige Erheiterung sorgte immerhin eine Zuschauerin, die sich doch allen Ernstes beschwerte, dass wir „zu laut“ seien... Punks, die eine zu hohe Lautstärke bemängeln - das hatten wir nun wirklich lange nicht!

 

15.4. Köln / Underground

Der Tag begann eher mäßig, erfuhren wir doch via Handy morgens, dass unser letzter Gig in Siegen ausfallen würde. `Schuldigung Siegen, aber wir haben es wirklich erst am Dienstag morgen erfahren.

In Köln angekommen war vor allem der Frühling schon da. So ließen wir uns zunächst einmal im an das Underground angeschlossenen Biergarten von allen Seiten knusprig durchbraten. Jede Minute an der frischen Luft ist übrigens Gold wert, wenn man sich sonst nur in dunklen Clubs rumtreibt. Der Gig abends war Balsam auf unsere geschlauchte Tour-Seele. Viel Bewegung, Applaus und Jubel -Trubel - Heiterkeit auf Seiten der Zuschauer bedeutete viel Spaß auf unserer Seite und ließ den Gig zu einem würdigen Tour-Abschluss-Konzert werden. Danke, Danke, Danke liebes Kölner Publikum!!! Unseren nun letzten Abend auf der Tour ließen wir dann gemütlich wiederum im Biergarten des Underground ausklingen. Bei frühsommerlich hohen Temperaturen nahmen wir noch das ein oder andere Kölsch zu uns. Außerdem schmiss Susii noch eine Flasche des leckeren Knobi-Schnapses (siehe Beitrag zu Chemnitz) in die Runde, der uns zwar (aufgrund des Geruches) einsam, aber glücklich machte...

 

Das war`s dann also gewesen mit der Tour. Dank an alle Zuschauer und Veranstalter und wer uns sonst noch unterwegs glücklich gemacht hat. Und natürlich ein extra dickes DANKE an unseren weltbesten Mischer Jan Yangwelle.


Bis zum nächsten Mal - Eure HAMMERHAIe:
Sölti, Susii, Herr K., Tikki und Lennart